Stahllexikon

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I Kurzzeichen für I-Profil (alt: Doppel-T-Träger) nach DIN 1025-1 - schmale I-Träger mit geneigten inneren Flanschflächen. Die breite und mittelbreite Ausführung (DIN 1025 Teil 2 bis 5) wird als H-Profil bezeichnet.
IF-Stahl (Abk. für Interstitial Free) Stahl ohne ®interstitiell gelöste Legierungsanteile. C- und N-Atome sind in diesen Stählen durch Ti oder Nb abgebunden, die hierzu in überstöchiometrischen Mengen vorliegen müssen. Auf diese Weise erhalten IF-Stahlsorten ein ferritisches Gefüge ohne Perlit oder Zementit. Das garantiert eine gute Kaltumformbarkeit (niedrige Streckgrenze), insbesondere gute Tiefzieheignung. Da interstitielle Atome fehlen, sind diese Sorten frei von Alterung. Eine andere Bezeichnung für diese Stahlsorten lautet: mikrolegierte Sondertiefziehstähle.
Immission (lat. immittere - hineinlassen) Eintreten von Stoffen in ein System. Der zulässige Maximalgehalt an Immissionen ist im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) geregelt.
Inchromieren Anreichern der Oberfläche eines Werkstücks mit Chrom. Fertig bearbeitete Teile werden bei 1.000 bis 1.200°C in Cr abgebenden Stoffen geglüht, wobei Cr in die Stahloberfläche diffundiert. Da bei findet ein Austausch zwischen Eisen- und Chromatomen statt. Je nach Temperatur und Zeit erhält man Diffusionszonen von 0,1 bis 0,2 mm Dicke - bei einem Cr-Gehalt von mind. 30%. Bei geeigneten Stählen ist die chromierte Zone zäh, so daß spanlose Kaltumformung durch Rollen, Walzen, Pressen möglich ist. Korrosions- und Zunderbeständigkeit entspricht der von nichtrostenden Sorten. Dieses Verfahren eignet sich besonders für Kleinteile wie Schrauben, Bolzen, Schutzrohre u.v.a.
Inconel Sammelname für eine Reihe von warmfesten Nickelbasislegierungen, welche die Korrosionsbeständigkeit des Nickels mit der Oxidationsfestigkeit des Chroms verbinden.
Induktion (lat. inducere - hineinführen) Zunächst ist zwischen magnetischer und elektromagnetischer Induktion zu unterscheiden, 1. Magnetische Induktion tritt bei ferromagnetischen Werkstoffen auf: Führt man sie in ein magnetisches Feld, so werden sie selbst zu Magneten. 2. Elektromagnetische Induktion: Bewegt man einen Leiter durch ein ruhendes magnetisches Feld und zwar so, daß der Leiter die Feldlinien schneidet, so wird im Leiter eine elektrische Spannung erzeugt. Induktion entsteht also infolge von Wechselwirkungen zwischen elektrischen und magnetischen Feldern.
Die Induktionserwärmung in den Hochfrequenzöfen der Edelstahlwerke wird zur Stahlerzeugung und in der Verarbeitung zum Oberflächenhärten, Vergüten, Glühen und Anlassen angewendet.
Induktionshärten Härteverfahren unter Ausnutzung der elektromagnetischen Induktion. Mit einer Spule induziert man im Werkstück Wirbelströme. Bei ausreichender Intensität wird so in der zur härtenden Schicht Wärme erzeugt. Die Einhärtetiefe hängt von der Eindringtiefe des Stroms ab, der Strom wird seinerseits durch die Frequenz bestimmt: Je höher die Frequenz, desto geringer die Stromeindringtiefe. Dieser Zusammenhang ist als sogenannter Skin-Effekt bekannt (skin - Haut).
Induktionsofen Tiegelförmiger Schmelzofen mit induktiver Erwärmung. Die stromführende Spule, die den Tiegel umgibt, induziert in der Tiegelfüllung starke Wirbelströme, die den Inhalt aufschmelzen und durchmischen. Entsprechend der geringen Tiefenwirkung der Induktion ist das Verfahren nur für kleinere Ofeneinheiten anwendbar (Ofenfüllung 60 kg bis 6t). Der völlige Luftabschluß verhindert jede Oxidation und erlaubt das Schmelzen hochlegierter Stähle. Daneben existieren Rinnenöfen, d.h. induktiv beheizte Aggregate, die bei Leichtmetallen Einsatz finden.
Induktions-
schweißen
Herstellung geschweißter Rohre oder anderer Schweißverbindungen durch Induktionswärme (Induktion). Dabei handelt es sich um ein Widerstandspreßschweißen. Geschweißt werden meist kohlenstoffarme Stahlbleche, oft auch austenitische Stähle, aber auch Stahlbleche mit überzügen aus Zink, Zinn oder Blei.
Induktives
Rühren
Eine außen angelegte Spule sorgt für eine intensive Badbewegung in einer Stahlschmelze. Diese Art der Durchmischung durch Ausnutzen des Induktionsprinzips wird zum Konzentrationsausgleich, zur Homogenisierung der Schmelze angewendet.
Industrieroboter
(lR)
sind universell einsetzbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen. Die Bewegungen sind frei programmierbar oder über Sensoren gesteuert. Sind sie mit Greifern oder Werkzeugen ausgerüstet, können sie für Handhabungs- oder Fertigungsaufgaben eingesetzt werden. Hinsichtlich des Bewegungsablaufes sind IR am universellsten. Entsprechend hoch ist der Einsatz in der Fertigung und Montage. Ein wesentliches Kennzeiche von I ist, daß sie sich leicht auf eine andere Bewegungsfolge umstellen lassen und daß beliebige Bewegungen möglich sind. Sie sind deshalb sehr flexibel und können zur Erfüllung unterschiedlicher Aufgaben (Punktschweißen, Farbspritzen o. a.) eingesetzt werden (VDI 2860, VDI = Verein Deutscher Ingenieure).
Inertgas (inert [lat.] = untätig, unbeteiligt) Die chemischen Elemente, deren äußere Elektronenhülle gefüllt ist, besitzen weder positive noch negative Ladung. Folglich können sie keinerlei chemische Verbindungen eingehen, sie verhalten sich inert. Die auch als Edelgase bezeichneten Elemente umfassen Helium (He), Argon (Ar), Neon (Ne), Krypton (Kr), Radon (Rd) und Xenon (Xe). In der Stahlherstellung kommen Argon als Spül- oder Schutzgas, in kleinerem Umfang Helium als Schutzgas beim Schweißen zum Einsatz.
Inhibitoren 1. Zusätze zur Beize, die den Angriff der Säure auf den unter dem Zunder liegenden Stahl hemmen und damit die Beizverluste herabsetzen.
2. Mittel zur Erzielung eines aktiven Korrosionsschutzes. Durch Zugabe von Inhibitoren lassen sich sowohl die anodische als auch die kathodische Teilreaktion beeinflussen. Man unterscheidet Grenzflächen-, Elektrolytfilm- und Membraninhibitoren. Ihre Wirkung beruht auf der Blockierung von Oberflächenbereichen, was zur Folge hat, daß die Austauschstromdichten verringert werden. Das elektrische Feld in der Nähe der Oberfläche wird verändert, und der Ionentransport (entsprechend auch Ionenreaktionen) wird verzögert.
Innenhochdruck-
umformen
Beim I. wird das Ausgangsmaterial (Hohlkörper oder Blechplatinen) in ein axial oder radial geteiltes Werkzeug eingelegt und hydraulisch allseits geschlossen. Ein Stempel dichtet das Bauteil ab und führt das Innenwirkmedium (meist öl oder Wasser) zu. Durch den Aufbau des Innendrucks wird das Ausgangsbauteil an die Innenkontur des Werkzeugs angeformt. Nach dem Aufblas-, Stauch- und Expandiervorgang, der je nach der Steuerungs- und Verfahrenstechnik die Qualität und Produktionsmenge bestimmt, werden die Außenwerkzeuge entlastet, geöffnet, und das fertige Bauteil wird entnommen. Alle Werkstoffe mit einem ausreichenden Formänderungsvermögen, besonders alle kaltumformbaren Werkstoffe, die auch beim Tiefziehen oder Fleißpressen Anwendung finden, können nach diesem Verfahren bearbeitet werden.
Innenrisse treten im Strangguß auf. Verformungen der Strangschale führen zu Rissen an der Erstarrungsfront. Diese Risse heilen dadurch wieder aus, daß sie mit angereicherter Restschmelze gefüllt werden. I. können durch Absenkung des S-Gehaltes auf unter 0,010 % am wirkungsvollsten vermieden werden.
Integriertes
Hüttenwerk
Modernes Werk zur Stahlerzeugung. Es reicht vom Hochofenkomplex zur Roheisenerzeugung, über Blasstahl-, SM- und Elektrostahlwerk zur Stahlerzeugung bis zu den Walzwerken, bestehend aus schweren, mittleren und Feinstraßen. (Hütten- und Walzwerke)
Interkristalline
Korrosion
Kornzerfall, der bei nichtrostenden Stählen in einem kritischen Temperaturbereich (400 bis 800°C) eintreten kann. Infolge der Temperaturerhöhung (durch Schweißen, Wärmebehandlung) scheiden sich Chromcarbide oder -nitride auf den Korngrenzen aus. Die Matrix verarmt an Chrom - die Korrosionsbeständigkeit geht verloren. Schließlich wird der Kristallverband zerstört. I. kann durch Zulegieren stabilisierender Elemente wie Ti oder Ta/Nb beherrscht werden. Noch besser ist die Absenkung des Kohlenstoffgehaltes (ELC, ULC).
Interstitiell (zu deutsch: eingelagert) gelöst nennt man solche Fremdatome, die sich zwischen die Atome auf regulären Gitterplätzen gedrängt haben. Da ihr Radius meist größer als der Abstand zwischen zwei benachbarten regulären Atomen ist, führt ihre Einlagerung zu Gitterverspannungen. Kohlenstoff- oder Stickstoffatome lösen sich im Eisengitter interstitiell. Interstitielle Mischkristalle weisen Legierungsatome im Wirtsgitter auf. Im Gegensatz dazu existieren substitutionelle Mischkristalle.
Invarlegierungen zeichnen sich durch eine geringe und nahezu konstante Wärmeausdehnung über einen großen Temperaturbereich hinweg aus. I. sind z. B. Eisenlegierungen mit 35 % Ni, die bei Raumtemperatur nur einen Wärmeausdehnungskoeffizienten von 10'''/K aufweisen. Zusätzliche Co-Massengehalte senken den Wärmeausdehnungskoeffizienten auf 107K, man spricht von Superinvarlegierungen. Einen weiteren Invareffekt zeigen Eisen-Nickellegierungen bei Temperaturen < 60K; der Wärmeausdehnungskoeffizient sinkt auf negative Werte. Auch antiferromagnetische Legierungen zeigen einen Invareffekt. Invar wird verwendet bei Thermostaten, Präzisionsgeräten und als Dehnungsausgleicher in Kfz-Leichtmetallkolben.
lonitrieren Glimmentladung in stickstoffhaltigen Gasen bei niedrigem Druck und rd. 500°C. Durch dieses Nitrierverfahren bildet sich eine harte Oberfläche mit hoher Dauer[schwing]festigkeit, verhältnismäßig guter Zähigkeit und guten Gleiteigenschaften. Für das I. eignen sich alle Eisenwerkstoffe.
IPB Kurzzeichen für Breite I-Träger mit parallelen Flanschflächen nach DIN 1025-2.
IPBI (I-Parallel-
Breit-leicht)
Kurzzeichen für Breite I-Träger mit parallelen Flanschflächen, leichte Reihe, nach DIN 1025-3.
IPBv (l-Parallel-
Breit-verstärkt)
Kurzzeichen für Breite I-Träger mit parallelen Flanschflächen, verstärkte Reihe, nach DIN 1025-4.
IPE Kurzzeichen für Mittelbreite I-Träger mit parallelen Flanschflächen nach DIN 1025-5.
I-Profile Bisherige Bezeichnung: Doppel-T-Träger und damit Formstahl. Nach DIN EN 10034 I-Profil mit schmalen oder mittelbreiten Flanschen, deren Flanschbreite kleiner oder gleich dem 0,66fachen der Nennhöhe des Profils und kleiner als 300 mm ist. DIN EN 10034 gilt für die Grenzabmaße und Formtoleranzen. Bis zum Erscheinen einer EN-Maßnorm gelten die Nennmaße nach DIN 1025.
ISO Abkürzung für International Organization for Standardization, eine Institution, welche die Normung international koordiniert. Der Zweck der ISO ist die Förderung der Normung in der Welt, um den Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu unterstützen und die gegenseitige Zusammenarbeit in verschiedenen technischen Bereichen zu entwickeln. Die ISO erarbeitet ISO-Normen (ISO-Standards), die von den Mitgliedsländern unverändert übernommen werden sollen, z. B. in der Bundesrepublik Deutschland als DIN ISO-Normen.
Isoforming Thermomechanische Behandlung
Isolierrohr Verbleite Blechrohre für die Elektroinstallation in Fabrikationslängen von 3 m mit aufgesteckter Muffe nach DIN 49 020 in den Abmessungen 9 bis 48 mm Durchmesser.
ISO-Spitzkerb-
probe
(ISO-V-Probe)
Probenform zur Durchführung des Kerbschlagbiegeversuchs. Die Ergebnisse, die mit dieser Probenform erzielt werden, lassen sich zwischen denen der Scharfkerbprobe nach Schnadt und den mit der DVM-Rundkerbprobe ermittelten einordnen. Heute ist diese Probenform von der Charpy-V-Probe abgelöst.
Isothermisches
Umwandeln in
der Perlitstufe
(Perlitisieren) ist eine Wärmebehandlung, die aus Austenitisieren und Abkühlen auf eine Temperatur in der Perlitstufe mit anschließendem Halten (bis Austenit vollständig umgewandelt ist) besteht.
ISO-Toleranzen In ISO-Empfehlungen enthaltene Toleranzwerte. Die Toleranzeinheit ist im ISO-System der als Funktion des Nennmaßes ausgedrückte Faktor zur Festlegung der ISO-Standard-Toleranz. Sie stellt ein sehr feingestuftes Passungssystem dar (Passung). Die Toleranzwerte und deren Ermittlung unterscheiden sich zum Teil von denen europäischer Normen: Die wichtigsten ISO-Normen: Allgemeintoleranzen nach DIN ISO 2768 und ISO-System für Grenzmaße und Passungen nach DIN ISO 286.
Isotope sind Elemente mit gleicher Kernladungszahl, aber unterschiedlicher Masse. Anders ausgedrückt: Die Elemente haben ihre Protonenzahl behalten, jedoch ihre Neutronenzahl verändert. Je nach Ordnungszahl kann ein Element maximal zwei oder sogar erheblich mehr stabile Isotope besitzen. I. erzeugt man, indem man Elemente mit Neutronen beschießt. Man verwendet sie u. a. in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung zum Markieren von Stoffbewegungen (Hochofen, Pipeline, Verschleißmessungen). Angewendet werden hauptsächlich die I. Co 60, Ir 192 und Cs 137.
Isotroper Stahl zeichnet sich durch besonderes, richtungsunabhängiges Umformverhalten aus. Beim Tiefziehen erfolgt das Fließen gleichmäßig, unerwünschte Zipfelbildung oder ungleiche Wanddicken werden vermieden. Durch Zulegieren von 0,01 - 0,04 % Ti läßt sich eine solche Isotropie erreichen. I. findet im Automobilbau Verwendung.
Isotropie Gleichartigkeit im Gefüge, die dazu führt, daß der Werkstoff in jeder Richtung gleiche Eigenschaften aufweist. Die Prüfung ergibt für jede Probenlage im Werkstück gleiche Werte. Gegenteil: Anisotropie (Kornorientiertes Blech).
Istmaß Durch Messen am Werkstück ermitteltes Maß.
Istwert Der I. ist nicht zu verwechseln mit dem Istmaß. I. ist ein Begriff aus der Steuerungs- bzw. Regelungstechnik. Es ist die zum betrachteten Zeitpunkt von Maschinenschlitten erreichte tatsächliche Position oder das tatsächliche Maß eines Werkstückes. Er wird der Steuerung der Werkzeugmaschine durch Meßsysteme gemeldet. Im Unterschied dazu: Sollwert.

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